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Die Entsorgungssituation im Zweckverbandsgebiet im Jahre 2016

Restmüllaufkommen im Zweckverbandsgebiet

Der Zweckverband Müllverwertungsanlage Ingolstadt (ZV MVA Ingolstadt) ist als zuständige Gebietskörperschaft satzungsgemäß mit der Entsorgung von nicht wiederverwertbarem Restmüll im Zweckverbandsgebiet beauftragt. Im Jahr 2016 wurden bei den Entsorgungsanlagen des Zweckverbandes insgesamt 123.281 t Restmüll angeliefert. Im Vergleich zu den Jahren 2010 bis 2015 ergibt sich folgendes Bild:

Übersicht 1: Restmüllaufkommen (alle Angaben in t)

Restmüllart 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
Hausmüll 90.185 90.616 92.600 92.544 92.512 94.560 97.089
Sperrmüll 7.648 7.833 7.296 11.973 12.605 16.134 18.229
hausmülllähnlicher Gewerbemüll 4.546 5.767 5.165 5.913 5.038 6.390 7.963
Gesamt 102.379 104.216 105.061 110.430 110.155 117.084 123.281

In der Übersicht 2 sind die prozentualen Veränderungen gegenüber dem jeweiligen Vorjahr aufgeführt.

Übersicht 2: Veränderungen im Restmüllaufkommen (alle Angaben in %)

Restmüllart 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2015
Hausmüll - 0,4 + 0,5 + 2,2 - 0,0 - 0,0 + 2,2 + 2,7
Sperrmüll - 10,8 + 2,4 - 6,9 + 64,1 + 5,3 + 28,0 +13,0
hausmülllähnlicher Gewerbemüll - 2,4 + 26,9 - 10,5 + 14,5 -14,8 + 26,3 + 13,0
Gesamt - 1,3 +1,8 + 0,8 + 5,1 -0,2 + 6,3 + 5,3

Im Zeitraum vom 30.06.2015 bis zum 31.12.2015 ist die Einwohnerzahl im ZV-Gebiet von 717.837 auf 724.130 gestiegen. Es ergibt sich somit für das Zweckverbandsgebiet ein Ein-wohnerzuwachs von 6.293 bzw. eine Zuwachsrate von knapp 0,9 % in dem betrachteten Zeitraum.

Bezogen auf die  o.a. Restmüllmengen hat  sich  das spezifische Restmüllaufkommen bei rund 170 kg Haus- und Sperrmüll sowie hausmüllähnliche Abfälle aus Industrie und Gewerbe pro Einwohner im Zweckverbandsgebiet stabilisiert.

Auch der Vergleich mit den im Freistaat Bayern angefallenen Restmüllmengen zeigt, dass die im Jahr 2015 im Zweckverbandsgebiet verbliebene Restmüllmenge von rund 163 kg je Einwohner deutlich unter dem Vergleichswert von rund 180 kg je Einwohner im Freistaat lag. Aktuellere Zahlen liegen leider für das Gebiet des Freistaates Bayern nicht vor.

Bereits im Jahr 1996 waren die ersten Auswirkungen des im Oktober 1996 in Kraft getretenen Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW/AbfG) bei der Entsorgung des hausmüllähnlichen Gewerbeabfalls festzustellen. Über Nacht war aus hausmüllähnlichem Gewerbeabfall ein energetisch verwertbarer Abfall geworden, ohne dass sich dessen Eigenschaften wesentlich geändert hatten. Dieser energetisch verwertbare Abfall unterliegt auch keinem Ausschluß- und Benutzungszwang mehr.Sinkendes Restmüllaufkommen und die daraus resultierenden Gebührensteigerungen lösen aber eine Gebühren-Mengenspirale zu Lasten des Privatbürgers aus, der dem Anschluß- und Benutzungszwang nach wie vor unterliegt und nicht wie Industrie und Gewerbebetriebe die Möglichkeit hat, über (ökologisch teilweise fragwürdige) Verwertungswege diesem zu entgehen. Der Zweckverband hat, nachdem diese Situation - Rückgang der Restmüllmengen/ steigende Entsorgungskosten - absehbar war, verschiedene Alternativen für eine bessere Auslastung der bestehenden Kapazitäten geprüft. Zur Begrenzung der finanziellen Belastung der Bürger wurde folgendes Vorgehen beschlossen:

  • Annahme von vorsortierten Abfällen aus Industrie und Gewerbe zum Zwecke der energetischen Verwertung. Diese Abfallverwertung war zunächst auf das Einzugsgebiet des Zweckverbandes begrenzt. Nach Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde konnten auch Abfälle von außerhalb des Zweckverband-Gebiets gemäß den Vorgaben des KrW-/AbfG in der MVA Ingolstadt energetisch verwertet werden.
  • Intensivierung der Gespräche mit anderen kommunalen Gebietskörperschaften zur langfristigen Mitbenutzung der neuen Anlage in Ingolstadt.

Die durch die Umsetzung der vorbeschriebenen Maßnahmen, zusätzlich auf der Grundlage des im Jahr 1996 in Kraft getretenen KrW/AbfG, vom Zweckverband entsorgten Müllmengen, sind in der nachfolgenden Übersicht 3 aufgeführt.

Übersicht 3: Energetische Abfallverwertung und über kommunale Entsorgungsverträge entsorgte Abfallmengen (alle Angaben in t „gerundet“)

Restmüllart 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016
energetisch verwertete Abfälle aus Gewerbe 72.100 83.500 75.300 75.100 79.000 76.500 88.200
kommunale Entsorgungsverträge für Hausmüll 46.200 46.100 45.800 46.100 46.500 46.600 28.200
Notaushilfen für Hausmüll 3.800 4.800 4.100 1.100 2.100 5.600 5.100
Gesamt 122.100 134.400 125.200 122.300 127.600 128.600 121.500

Auch im Jahr 2016 wurden wieder „Notaushilfen für Hausmüll“ durchgeführt. Seit dem 01.06.2005 waren dies der Landkreis Landshut, der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf, der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten, der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Neu-Ulm, der Zweckverband Abfallwirtschaft Raum Würzburg, die AVA Abfallverwertung Augsburg, der ASN-Abfallwirtschaftsbetrieb Nürnberg, der Abfallwirtschaftsbetrieb München und das GKS-Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt. Im Mai und Juni sowie im Zeitraum vom September bis Oktober 2016 musste auch der Zweckverband selbst eine „Notaushilfe für Hausmüll“ in Anspruch nehmen. In diesem Zeitraum mussten kurzfristig 2.689,910 Tonnen Hausmüll in eine andere bayerische Entsorgungsanlage umgeleitet werden.

Durch die rasche Umsetzung der vorbeschriebenen Maßnahmen sowie die Umsetzung von technischen und organisatorischen Optimierungen konnten in der Vergangenheit die gravierenden Einbrüche im Restmüllaufkommen ausgeglichen werden, so dass der Zweckverband seine Entsorgungsgebühren für die letzten Jahre stabil halten bzw. senken konnte. Ohne diese Maßnahmen wäre bereits im Jahr 1998 eine Gebührenerhöhung von 100,- DM bis 130,- DM je Tonne Restmüll notwendig gewesen. Für das Jahr 2001 ist es sogar möglich geworden die Gebühren um 15,00 DM je Tonne Restmüll zu senken. Der Zweckverband hat auch im Jahr 2003 die Gebühr für die Restmüllentsorgung um weitere 10,- Euro je Tonne Restmüll gesenkt. Eine weitere Gebührensenkung um 10,- Euro je Tonne wurde im Jahr 2005 durchgeführt. Für das Jahr 2006 wurde eine erneute Senkung um weitere 10,- Euro je Tonne Restmüll durch die Verbandsversammlung beschlossen. Auch für das Jahr 2007, 2009, 2010, 2011, 2012, 2014, 2015 und 2016 konnte die Verbandsversammlung eine weitere Gebührensenkung in Höhe von jeweils 10,-/15,-/20,-/20,- Euro je Tonne beschließen.

In der nachfolgenden Übersicht ist der Verlauf der Gebührenentwicklung beim Zweckverband seit dem Jahr 2002 (Einführung des Euros) dargestellt.

Übersicht 4: Entsorgungsgebühr für Restmüll in € je angelieferter Tonne

Seit dem 01. Juni 2005 entsorgte der Zweckverband Müllverwertungsanlage Ingolstadt neben den Verbandsmitgliedern auch noch drei weitere bayerische Gebietskörperschaften. Dies waren die Landkreise Ebersberg, Erding und Garmisch-Partenkirchen. Damit entsorgte der Zweckverband den Restmüll von knapp 1,1 Millionen Bürgern in Bayern. Im Jahr 2006 wurden erstmals alle drei Gebietskörperschaften vollständig (rund 49.400 t) vom Zweckverband entsorgt.

Der Landkreis Ebersberg hat die Zweckvereinbarung vom Juni 2003 über die thermische Behandlung seiner Restabfälle fristgemäß zum 31.12.2015 hin gekündigt. Im Jahr 2015 hat der Landkreis Ebersberg diese Leistung dann europaweit ausgeschrieben. Der Zweckverband Müllverwertungsanlage Ingolstadt hat am Bieterverfahren teilgenommen und sein Angebot abgegeben. Den Zuschlag erhielt eine ortsnähere bayerische thermische Restmüllbehandlungsanlage.

Im Jahr 2016 wurden von den beiden verbliebenen Gebietskörperschaften rund 28.100 t zur Entsorgung angeliefert. Die kommunale Zusammenarbeit hat sich bewährt und läuft von Beginn an reibungslos.

Trotz des Ausscheidens des Landkreises Ebersberg dürfte auch für die nächsten Jahre eine vernünftige Auslastung der thermischen Behandlungsanlage gewährleistet sein. Damit wird auch weiterhin eine nachhaltige finanzielle Entlastung der Verbandsmitglieder ermöglicht.

Seit den Frühjahr 2015 ist ein stetiger Anstieg der Restmüllmengen (vgl. auch Übersicht 1) und dem Angebot von energetisch verwertbaren Abfällen aus dem Gewerbe zu verzeichnen. Dies hängt wohl auch mit den knappen Entsorgungskapazitäten im süddeutschen Raum (Anlagenausfälle, Revisionen) zusammen.
Auch in den nördlichen und östlichen Gebieten Deutschlands waren ab dem Frühsommer 2015 erhebliche Kapazitätsengpässe für die Entsorgung von Abfällen zu verzeichnen. Die Entsorgungssituation für Gewerbeabfälle war seit diesem Zeitpunkt bundesweit sehr angespannt.
Im Bereich des Zweckverbandes mussten 2016 wie bereits für das vergangene Jahr für die Annahme von energetisch verwertbaren Abfällen aus dem Gewerbe organisatorische Maßnahmen getroffen werden damit die Entsorgungssicherheit für die kommunalen Restabfälle gewährleistet war.
Viele gewerbliche Vertragspartner, mit denen der Zweckverband privatrechtliche Entsorgungsvereinbarungen zur Annahme von energetisch verwertbaren Abfällen aus dem Gewerbe abgeschlossen hatte, haben versucht Übermengen bei der MVA Ingolstadt unterzubringen.

Die Entsorgungspreise für gewerbliche Abfälle zur Verwertung sind im Jahr 2016 in allen Regionen der Bundesrepublik deutlich angestiegen.

Die durch den Wegfall der kommunalen Mengen aus dem Landkreis Ebersberg frei gewordenen Kapazitäten werden seit dem Jahr 2016 den Entsorgungsfirmen aus dem Zweckverbandsgebiet zur Verfügung gestellt. Die Entsorgungspreise für gewerbliche Abfälle zur Verwertung wurden im Zweckverbandsgebiet flächendeckend an die Marktgegebenheiten angepasst.

Der Preisverfall von der Einführung der Deponieverordnung (Verbot der Ablagerung von unbehandeltem Müll auf Deponien im Jahre 2005) hatte sich bis ins Jahr 2010 fortgesetzt. Auch die gesamtwirtschaftlichen Probleme des Jahres 2009 und noch zu Beginn des Jahres 2010 hatten die Müllmengen und deren Verfügbarkeit nachhaltig negativ beeinflusst. In den Jahren 2011 bis 2014 kam es infolge der wirtschaftlichen Erholung wieder zu einem Anstieg der verfügbaren Abfallmengen und zu einer Stabilisierung der Entsorgungskosten. Seit dem Jahr 2015 ist es zu einem deutlichen Anstieg der Entsorgungspreise für gewerbliche Abfälle zur Verwertung gekommen.

Im Einzugsgebiet des Zweckverbandes ist die Entsorgung von heizwertreichen Gewerbeabfällen über die energetische Verwertung für die bestehenden Verträge, die der Zweckverband abgeschlossen hat, sichergestellt.

In der nachfolgenden Übersicht 5 sind die Anlieferungen an energetisch verwertbaren Abfällen bei der MVA Ingolstadt dargestellt:

Übersicht 5: Jahresganglinie für die energetisch verwerteten Abfälle

Für das Jahr 2016 zeigt die vorstehende Übersicht eine bedarfsorientierte Abfallanliefermenge. In den Monaten mit technisch notwendigen Revisionen (Mai/Juni – Kranbahn und Ofenlinie 3, September/Oktober – Ofenlinie 1) wurden infolge von Anlieferbeschränkungen nur geringere Mengen an energetisch verwertbaren Abfällen angenommen.

Eine Zwischenlagerung von Abfällen auf der Deponie Eberstetten II erfolgt grundsätzlich nur, wenn

  • eine der Auslastung entsprechende thermische Behandlung in der MVA Ingolstadt
  • eine Mitnutzung einer Anlage im Anlagenverbund von bayerischen MVA’ s
  • eine Zwischenlagerung auf dem MVA Gelände

nicht möglich ist. Das Zwischenlager soll nur dann in Anspruch genommen werden, wenn aus anlagentechnischen Gründen (Revision, Stillstände, Überlastung) die thermische Behandlungsanlage vorübergehend nicht in der Lage ist, alle Abfälle zu behandeln.

Vorgesehen ist ein temporärer und rückholbarer Charakter der Lagerung. Die Abfallrückholung erfolgt jeweils ehestmöglich bei entsprechenden freien Kapazitäten in der thermischen Behandlungsanlage.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Zweckverband - wie im übrigen jeder Anlagenbetreiber- verschiedentlich mit Kapazitätsengpässen zu kämpfen (zeitliche Überlieferungen, technische Anlagenausfälle u.ä.) und hat dann diese Mengen in Zeiten von geringeren Müllanlieferungen wieder der MVA Ingolstadt zugeführt. Der Zweckverband geht davon aus, dass dieses Problem im Sinne einer effektiven Abfallwirtschaft auch zukünftig so gelöst werden kann. Die Entsorgung der im Zweckverband ansässigen Kommunen als auch der Gewerbebetriebe war und ist zu keiner Zeit gefährdet.

Zur kurzfristigen Sicherstellung der Entsorgung hat der Zweckverband auch schon in der Vergangenheit Übermengen zur Zwischenlagerung auf die Deponie Eberstetten umgeleitet. Dort wurden bereits in den Jahren 1996 bis Anfang 2005 Deponieflächen zur Zwischenlagerung genutzt. Die dort gelagerten Mengen wurden überwiegend in den Jahren 2001 bis 2005, bis zum Inkrafttreten des Deponierungsverbotes wieder vollständig zurückgeholt. Mit diesen Mengen konnte auch in Zeiten des Müllrückganges ein wirtschaftlicher Betrieb der MVA Ingolstadt und  die Aufrechterhaltung der Fernwärmelieferverpflichtungen gewährleistet werden. Der Zweckverband hat nach intensiven Gesprächen mit dem Bayer. Umweltministerium und der Regierung von Oberbayern die rechtlichen Aspekte der Zwischenlagerung abgeklärt. Das Genehmigungsverfahren wurde Anfang 2011 abgeschlossen. Wegen technischen, verfahrensrechtlichen und organisatorischen Problemen ist eine praxisnahe Umsetzung allerdings nicht möglich.

Restmüllentsorgung, Energieproduktion und stoffliche Verwertung des Zweckverbandes

Während des Jahres 2016 wurden in der MVA Ingolstadt rund 242.000 t Abfälle thermisch behandelt bzw. energetisch verwertet (knapp 1 % weniger als im Jahr 2015). Bedingt durch die fortlaufende vorbeugende Wartung und Optimierung der Anlagentechnik ist die Verfügbarkeit der Anlage nach wie vor gut.

Im Jahr 2016 fielen rund 67.300 t Rohschlacke an. Eine Menge von gut 100 t Rohschlacke wurden an eine beauftragte Firma zur Aufbereitung und Verwertung im Deponiebau abgegeben. Die restlichen rund 67.200 t hat der Zweckverband in seiner eigenen Aufbereitungsanlage weiter behandelt, so dass hiervon annähernd 6.300 t Fe- Rohschrott separiert und über den Schrotthandel den Stahlwerken zum Wiedereinsatz zugeführt werden konnten.
Das Jahr 2016 war allerdings auch von einem Preisverfall bei den Rohstoffpreisen, insbesondere Fe- Schrott geprägt. Dies hat im Verhältnis zum Jahr 2015 zu einem deutlichen Rückgang der Schrotterlöse geführt. Die daraus erzielten Erlöse liefern im Verhältnis zu den Vorjahren nur noch einen deutlich geringeren weiteren Deckungsbeitrag für die Verbandsmitglieder.  

Im Sommer 2011 wurde mit dem Umbau und der Ertüchtigung der Schlackeaufbereitungsanlage begonnen. Mit den Montagearbeiten für die neue Nichteisenmetall (NE)- Abscheideanlage wurde im März 2012 begonnen. Die Montage- und Inbetriebnahmearbeiten wurden bis Ende Juni erfolgreich abgeschlossen.
Seither werden auch die NE- Metalle (Aluminium, Messing, Edelstahl etc.) aus der Schlacke abgetrennt und einer Vermarktung zugeführt. Im Jahr 2016 waren dies rund 750 t. Etwa 50 % davon waren Aluminium und rund 10 % Kupfer, Messing u.a..
Auch bei den Erlösen für die NE- Metalle war der Preisverfall an den Rohstoffmärkten deutlich zu spüren. Die daraus erzielten Erlöse liefern im Verhältnis zu den Vorjahren nur noch einen verringerten Deckungsbeitrag für die Verbandsmitglieder.

Rund 37.000 t aufbereitete Schlacke wurden als Ersatzbaustoff zu Deponiebaumaßnahmen abgegeben. Das bei der Schlackeaufbereitung anfallende Überkorn, etwa 6.200 t, konnte auch im laufenden Jahr weitestgehend einer weiteren Aufbereitung bzw. einer Verwertung zugeführt werden. Der nicht verwertbare Rest, knapp 17.000 t, ist auf der Deponie Eberstetten II abgelagert, bzw. als Einbaumaterial (rund 7.000 Tonnen) für die geplante Inbetriebnahme des Bauabschnittes VI zur Alterung zwischengelagert worden.

Die bei der thermischen Behandlung des Restmülls in der MVA Ingolstadt entstehende Energie dient zunächst der Eigenversorgung. Überschüssige Energie wird in Form von elektrischer Energie und Fernwärme ins öffentliche Versorgungsnetz eingespeist. Im Jahre 2016 waren dies 79.550 (2015: 68.903) MWh elektrische Energie und 187.588 (2015: 173.790) MWh Fernwärme. Dies entspricht einer Zunahme von rund 15 % bei der elektrischen Energie bzw. einer erhöhten Einspeisung bei der Fernwärme von rund 8 % gegenüber dem Vorjahr.

Mit der abgegebenen elektrischen Energie könnte der gesamte jährliche Strombedarf von rund 17.000 Haushalten in der Region Ingolstadt abgedeckt werden. Die eingespeiste Fernwärmemenge entspricht dem Energiebedarf von circa 27.000 Einfamilienhäusern (Bezugsgröße: Niedrigenergiehaus, Stand Energieeinsparverordnung EnEV 2002 mit 100 m² Wohnfläche).

Der Zweckverband geht davon aus, dass durch einen weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes zukünftig noch mehr fossile Brennstoffe durch die Fernwärme im Stadtgebiet von Ingolstadt ersetzt werden können. Die Fernwärmeabgabe hat ab der Heizperiode 1998/1999 durch den Anschluss des Blockheizkraftwerkes „Esplanade“ der Stadtwerke Ingolstadt an die Fernwärmeleitung der MVA Ingolstadt  einen außerordentlichen Anstieg zu verzeichnen, da neben der Fachhochschule Ingolstadt auch weitere Gebäude im innerstädtischen Bereich an diese saubere, die Umwelt entlastende Energie, angeschlossen wurden. Beispielhaft konnte  der ehemalige Viehmarktplatz (Eichamt, Berufsfortbildungszentrum, TÜV) und das Schlachthofgelände sowie das neue Freizeitbad, Saturn-Arena, Pionierschule usw. in das Fernwärmenetz eingebunden werden. Insbesondere die neue Fernwärmeleitung zur Firma Audi hat erheblich zur Umsatzsteigerung beigetragen. Weitere Fernwärmeanschlussprojekte im innerstädtischen Bereich sind geplant. Der Zweckverband arbeitet hier eng mit den Stadtwerken Ingolstadt und der Stadt Ingolstadt im Stadium der städtebaulichen Planung zusammen.

Als besonders hervorzuhebende Maßnahme wird die Versorgung der Klärschlammtrocknungsanlage bei der Zentralkläranlage Ingolstadt seit 2007 genannt. Bei diesem europaweit einzigartigem System wird echte Abwärme zur Trocknung von Klärschlamm eingesetzt und dabei erhebliche Mengen an Primärenergie und CO2- Emissionen eingespart. Als „Nebeneffekt“ wird der Klärschlamm nicht mehr in der landwirtschaftlichen Verwertung sondern als Energieträger bei der MVA Ingolstadt eingesetzt.

Der Fernwärmeabsatz hat sich deshalb seit dem Jahr 2004 gravierend erhöht. Insbesondere durch die hohe Anzahl von Lieferstunden wird eine Vergleichmäßigung der Fernwärmelieferungen auch in den Sommermonaten erreicht. Hierdurch erhöht sich die Effizienz der Energieausbeute bei der MVA Ingolstadt ganz wesentlich. Die daraus erzielten Umsätze dienen der Gebührenreduzierung für den Bürger.

Dessen ungeachtet wurden noch zusätzliche neue Fernwärmeprojekte in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Ingolstadt abgeschlossen. Die Einbindung der „Petroplus-Raffinerie“ in einem Wärmeverbund „MVA - Petroplus - Stadtwerke Ingolstadt - Stadt Ingolstadt“ sollte den Absatz dieser Energieform ab 2011 künftig optimieren. Entsprechende vertragliche Vereinbarungen wurden bereits im Herbst 2009 zwischen vorgenannten Parteien getroffen. Dieses Projekt war jedoch, durch die eingetretene Insolvenz der Firma Petroplus im Jahr 2012, akut gefährdet. Durch den neuen Investor für die Raffinerie Ingolstadt wurde das Projekt erfolgreich zum Abschluss gebracht. Finanzielle Verpflichtungen für den Zweckverband ergaben sich durch den Eigentümerwechsel daraus nicht.

Dadurch hat der Zweckverband nicht unwesentlich zur Vermeidung von Abgasen aus der Gebäudeheizung und zur Ersparnis von Primärenergie (Öl, Gas) beigetragen. Die gelieferte Fernwärme hat auch wesentlich zu einer Entlastung der Innenstadt in Ingolstadt von „Feinstaub“ beigetragen.

In der nachfolgenden Übersicht 6 sind die in der MVA Ingolstadt erzeugten und ins öffentliche Netz eingespeisten Energiemengen dargestellt:

Übersicht 6: Energieerzeugung 2007 bis 2016

In der nachfolgenden Übersicht 7 sind die in der MVA Ingolstadt erzeugten und ins öffentliche Netz eingespeisten Energiemengen jeweils als ersparte CO²-Emissionen dargestellt:

Übersicht 7: CO2- Ersparnis durch die MVA Ingolstadt von 2007 bis 2016

In der nachfolgenden Übersicht 8 ist die, durch die bei der MVA Ingolstadt erzeugte Fernwärmemenge, eingesparte Menge an Heizöl dargestellt:

Übersicht 8: Durch Fernwärme ersparte Äquivalentmenge an Heizöl EL von 2007 bis 2016

Zur weiteren Absicherung der Energieerzeugung und Verbesserung der Entsorgungssicherheit wurde die Ofenlinie III der MVA Ingolstadt, die viele Jahre nur teilweise zur Überbrückung von geplanten oder unvorhersehbaren Ausfallzeiten der Ofenlinien I/II diente, einer sowohl ökologisch als auch betriebswirtschaftlich optimierten Fahrweise ab November 2002 zugeführt.
Wegen des relativ hohen Müllaufkommens sowie des unbefriedigenden Preisniveaus bei Biomasse wurden auch im Jahr 2016 keine sogenannten „biogenen Brennstoffe“ im Sinne der Biomasseverordnung/Altholzverordnung mehr in der MVA Ingolstadt verwertet.

Im Jahr 2016 wurden neben den nicht verwertbaren Schlackemengen und den Schlackemengen die zum Ausbau des Deponieabschnittes VI benötigt wurden noch insgesamt annähernd 4.400 t thermisch nicht behandelbare Abfälle auf der Not- und Reststoffdeponie Eberstetten II im Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm eingebaut. Durch die Abgabe und Einsatz von MVA- Schlacke als Baumaterial auf Deponien, hat sich das verfügbare genehmigte Ablagerungsvolumen um rund 14.000 m³ verringert. Das verfügbare Restvolumen der Deponie Eberstetten II betrug Ende 2016 noch etwa 351.000 m³.

Wertstoffaufkommen im Zweckverbandsgebiet

Auch im Jahr 2016 haben die Mitglieder des Zweckverband ihre Wertstofferfassungssysteme auf dem hohen bisher erreichten Stand gehalten und sogar noch punktuell ausbauen können.

In der nachfolgenden Übersicht sind die im Zweckverbandsgebiet in den Jahren 1991 bis 2016 erfassten Wertstoffmengen aufgeführt.

Übersicht 9: erfasste Wertstoffmengen im Zweckverbandsgebiet

Jahr Wertstoffmengen in Tonnen spezifisches Wertstoffaufkommen pro Einwohner in kg
1991 71.400 147
1992 79.200 160
1993 98.900 196
1994 114.400 214
1995 122.000 236
1996 153.000 (124.000) 238 (237)
1997 156.600 (128.700) 241 (243)
1998 172.000 (141.000) 262 (264)
1999 172.000 (141.000) 262 (264)
2000 185.000 (150.000) 276 (275)
2001 190.000 (154.000) 279 (278)
2002 194.200 (156.300) 283 (279)
2003 186.800 (151.800) 273 (271)
2004 197.000 (161.000) 287 (287)
2005 200.000 (163.400) 290 (290)
2006 197.200 (161.400) 285 (285)
2007 209.900 (172.200) 306 (303)
2008 217.000 (177.000) 312 (312)
2009 224.000 (184.000) 323 (322)
2010 223.000 (183.000) 320 (320)
2011 223.000 (184.000) 323 (322)
2012 222.200 (182.200) 316 (315)
2013 228,500 (189.200) 323 (324)
2014 242.500 (201.500) 342 (344)
2015 250.500 (209.000) 346 (349)
2016* 250.000* (209.000*) 346* (349*)

*vorläufig ermittelte Menge, da die vom Bayer. Landesamt für Umwelt veröffentlichten Daten zu den Abfallbilanzen der bayerischen Gebietskörperschaften aus dem Jahr 2016 noch nicht zum Redaktionsschluss vorlagen. Zur besseren Vergleichbarkeit mit den Vorjahren sind die jeweiligen Wertstoffmengen der bisherigen Zweckverbandsmitglieder noch mit aufgeführt (Werte in Klammern).


In der Übersicht 9 fällt auf, dass es nach einem leichten Rückgang bei den erfassten Wertstoffmengen im Jahr 2003 wieder zu einer Steigerung bei den erfassten Wertstoffmengen ab dem Jahr 2004 gekommen ist. Die Auswertung der einzelnen Grunddaten ergab, dass es bei verschiedenen Zweckverbandsmitgliedern zu einem Anstieg bei den erfassten Bioabfallmengen aus den Haushalten gekommen ist. Der Anstieg der Wertstoffmengen von 2006 auf 2007 ist darauf zurückzuführen, dass bei der Menge des Grüngutes nunmehr auch kommunale Grüngutmengen vom Bayer. Landesamt für Umwelt miterfaßt werden.
Auch der Vergleich mit den im Freistaat Bayern erfassten Wertstoffe aus der Sammlung und Sortierung zeigt, dass die im Jahr 2015 im Zweckverbandsgebiet erfasste Menge von rund 346 kg je Einwohner deutlich über dem Vergleichswert von rund 299 kg je Einwohner im Freistaat lag.

Aus den in der Übersicht 1 aufgeführten Restmüllmengen die vom Zweckverband entsorgt werden mußten und den erfaßten Wertstoffmengen ergeben sich die in der Übersicht 10 aufgeführten Verwertungsquoten für Haus- und Sperrmüll.

Übersicht 10: Verwertungsquote für Haus- und Sperrmüll

Jahr Verwertungsquote in %
1991 39
1992 44
1993 52
1994 54
1995 59
1996 61
1997 63
1998 63
1999 63
2000 66
2001 66
2002 67
2003 67
2004 68
2005 67
2006 66
2007 67
2008 68
2009 68
2010 69
2011 68
2012 68
2013 67
2014 69
2015 67
2016* 67*

* vorläufig ermittelte Menge, da noch nicht die endgültigen Ergebnisse aus dem Jahr 2016 zum Redaktionsschluss vorlagen.

In der vorstehenden Übersicht zeigt sich eine Schwankungsbreite von gut 1% bei der Verwertungsquote in den Jahren 2000 bis einschließlich 2016. Diese Schwankungsbreite ergibt sich aus der Rundung der Nachkommastellen.

Die Verwertungsquoten von rund 67 bis 69 % für die Jahre 2000 bis 2016 zeigen sehr deutlich, dass die von den Zweckverbandsmitgliedern betriebenen Wertstofferfassungssysteme, die gesetzlichen Vorgaben, die u.a. für das Jahr 1993 eine Verwertungsquote von 30 % vorschrieben, weit übertreffen. Auch die vorgesehene Erfassungsquote des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes von 65 % (spätestens ab 01.01.2020) wird von den Gebietskörperschaften im Zweckverband bereits seit mehr als einem Jahrzehnt eingehalten bzw. deutlich überschritten. Darüber hinaus ist es auch der Bereitschaft der Bevölkerung, die die angebotenen Wertstofferfassungssysteme benutzt, zu verdanken, dass die Erfassungssysteme so effektiv zur Verringerung des Restmüllaufkommens beigetragen haben.
Eine Studie der bifa Umweltinstitut GmbH zeigte auch, dass die Einführung von zusätzlichen Erfassungssystemen (z.B. „Gelbe Tonne“) keine ökologisch und wirtschaftlich vertretbare bzw. sinnvolle Steigerung der Wertstoffquoten zur Folge hat.

Die eigene Zielvorgabe des Zweckverbandes eine flächendeckenden Verwertungsquote von über 50 % zu erreichen wurde bereits im Laufe des Jahres 1993 verwirklicht.

Künftige Entwicklungen, Chancen und Risiken

Künftige Risiken, aber auch Chancen  für den Zweckverband könnten – nach derzeitiger Einschätzung – in folgenden Bereichen entstehen:

Deponien

Die Deponieverordnung wendet sich, im Gegensatz zur ehemaligen TASi, direkt an den Deponiebetreiber (und nicht an die Behörden). Ziel des Verordnungsgebers war es, sowohl hohe Anforderungen an die Eigenschaften des zu deponierenden Materials als auch an die Deponien selbst zu stellen (Deponieklasse I oder II).

Der Zweckverband hat entsprechende Ausnahmeanträge für die Deponie Eberstetten II an die Aufsichtsbehörde gestellt, die fachlich untermauert wurden. Eine Anerkennung als Deponie der Klasse II wurde beantragt. Der Zweckverband erhielt nach einem langjährigen Genehmigungsverfahren (Antragstellung im Jahre 2001) Anfang April 2009 den Bescheid der Regierung von Oberbayern, dass die Deponie Eberstetten II über den 15.07.2009 hinaus als Deponie der Klasse II weiter unbefristet betrieben werden darf.

Ein weiterer Punkt betrifft die Nachsorgekosten für Deponien, insbesondere die Sickerwasserentsorgung. Grundsätzlich ist der Zweckverband zur Reinigung der anfallenden Sickerwässer nach Anhang 51 zum Wasserhaushaltsgesetz (WHG) verpflichtet. Die Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt und der Stadt Pfaffenhofen über eine möglich kostengünstige Behandlung und Entsorgung der gereinigten Abwässer sind abgeschlossen. Die daraus resultierenden Kosten sind für einen mittelfristigen Zeitraum derzeit noch nicht ermittelbar, da der Sickerwasseranfall neben nicht planbaren meteorologischen Entwicklungen auch von der laufenden Optimierung der Oberflächenabdichtung im Jahr 2004 bis 2016 der Deponie Eberstetten I/II abhängt.

Der Zweckverband ist seit Jahren bestrebt durch eine Optimierung des Deponiebetriebes, kleine Einbauflächen und temporäre Oberflächenabdichtungen im Bereich der nicht genutzten Deponieflächen, die anfallenden Sicherwassermengen  zu minimieren. Das  dennoch unvermeidlich anfallende Sickerwasser wird auf der Deponie mit einer Umkehrosmoseanlage behandelt. Ein entsprechendes angemietetes Reinigungssystem wurde im Dezember 2004 in Betrieb genommen und im Jahr 2016 wurden insgesamt 9.893 m³ gereinigtes Sickerwasser an die Kläranlage Pfaffenhofen abgegeben. Nach erfolgreichem Ablauf des 24-monatigen Probebetriebes zum 31.12.2006 hin, in dem Reinigungswirkung und Kapazität der Anlage überprüft werden, wurde die Herstellerfirma damit beauftragt die Anlage weiter zu betreiben. Wie geplant wurde im Jahr 2015 die bestehende Umkehrosmoseanlage erneuert und mit einer verbesserten Technologie erfolgreich in Betrieb genommen. Die Reinigungswirkung konnte damit nochmals verbessert werden.

In der nachfolgenden Übersicht sind die auf der Deponie Eberstetten in den Jahren 2004 bis 2016 erfassten Sickerwassermengen dargestellt.

Übersicht 11: Sickerwasseraufkommen der Deponie Eberstetten II

Im Herbst diesen Jahres wurde der Deponieabschnitt VI zur Aufrechterhaltung der Entsorgungssicherheit ausgebaut. Dadurch hat sich die „offene“ Deponiefläche deutlich vergrößert. Dies führte letztendlich auch zu einer erhöhten Sickerwassermenge.

Seit dem Januar 2005 wird das Sickerwasserkonzentrat, das bei der Reinigung des Sickerwassers anfällt, in der MVA Ingolstadt in den Ofenlinien eingedüst und thermisch behandelt. Im Jahr 2016 waren dies 3.260 t. Neben betriebswirtschaftlichen Vorteilen stand bei dieser technischen Maßnahme auch die Unabhängigkeit vom bisherigen Entsorger (GSB - Sonderabfall-Entsorgung Bayern GmbH) im Vordergrund. Die Kostenentwicklung bei der Deponie wurde dadurch weiter optimiert.

Bereits seit längerer Zeit beabsichtigte der Zweckverband eine Photovoltaik (PV) Anlage auf der Deponie Eberstetten I zu errichten. Das Genehmigungsverfahren wurde in der zweiten Jahreshälfte 2013 bei den zuständigen Behörden eingeleitet und parallel dazu wurde bereits mit einem Ingenieurbüro die Detailplanung erarbeitet und die Ausschreibung durchgeführt.

Die PV- Anlage wurde Ende 2013 errichtet und die Einspeisebereitschaft nach EEG am 30.12.2013 gemeldet. Die endgültige Netzanbindung erfolgte am.07.07.2014. Die Größe von 1 MWpeak wird unter Zugrundelegung der gesetzlichen Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mittelfristig interessante zusätzliche Einnahmen erwirtschaften und den Standort ökologisch aufwerten. Auch im Jahr 2016 arbeitete die Anlage störungsfrei und die Erträge lagen voll im Wirtschaftsplan.

Verbrennung

Im Bereich der Verbrennung könnten Kapazitätsauslastungsprobleme entstehen durch die Mitverbrennung von Abfällen in Kraftwerken (Ersatzbrennstoffe), den Bau von weiteren thermischen Behandlungsanlagen außerhalb von Bayern und das Problem der EU-Erweiterung nach Osten. Diese Thematik betrifft insbesondere Abfälle, die nicht entsorgungspflichtig sind und damit über den freien Grenzverkehr auf billigere Entsorgungswege verlagert werden könnten. Die nicht andienungspflichtigen Abfälle könnten dann auf diesem Weg preisgünstiger - wenn nicht gleiche Umweltstandards angesetzt werden - entsorgt oder verwertet werden und ggf. zu Auslastungsproblemen führen.

Andererseits können aber auch Entsorgungsengpässe entstehen durch

  • Stilllegung von Entsorgungsanlagen
  • Stillstände von Entsorgungsanlagen infolge von umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen, alle bayerischen Entsorgungsanlagen weisen ein Alter von mehr als 20 Jahren auf
  • Häufung der Stillstände von Entsorgungsanlagen infolge von Problemen bei der Ersatzbeschaffung
  • Verringerung der Durchsatzleistung bei EBS- Anlagen und bei Anlagen zur Mitverbrennung von Abfällen (verringerte Zementherstellung, Ausstieg aus der Energieerzeugung mit Kohle)

Im Bereich der Verbrennung können auch Kapazitätsprobleme entstehen durch neue gesetzliche Regelungen auf die die Anlagenbetreiber in der Regel keinen Einfluss haben. Ein Beispiel hierfür war die im Frühjahr/ Sommer 2016 beschlossene gesetzliche Änderung in der Verordnung (EU) 2016/460 der Kommission vom 30.03.2016 zur Änderung der Anhänge IV und V der Verordnung (EG) Nr. 850/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates über persistente organische Schadstoffe (POP-VO), die zur Folge hat, dass HBCD/HBCDD-haltige Abfälle, die eine Konzentrationsgrenze von 1.000 mg/kg erreichen oder überschreiten, gemäß der Verordnung über das Europäische Abfallverzeichnis als gefährliche Abfälle einzustufen sind und nachweislich einer ordnungsgemäßen Entsorgung zuzuführen sind.
Der Zweckverband hat zur Umsetzung dieser gesetzlichen Neuregelung organisatorische Maßnahmen ergriffen und eine gesetzeskonforme Umsetzung der ordnungsgemäßen Entsorgung in die Wege geleitet. Hierzu wurden vom Zweckverband zeitnah Infoblätter herausgegeben, an die Betroffenen versandt und zur Information auf der Homepage des Zweckverbandes veröffentlicht.
Der Zweckverband hat mit annähernd 50 Firmen der Entsorgungsbranche aus dem Zweckverbandsgebiet und mit bereits bestehenden Vertragspartnern Vereinbarungen zur Entsorgung von polystyrolhaltigen Wärmedämmverbundsystemen aus dem Baubereich abgeschlossen. Seit Mitte Oktober erfolgt eine gesetzeskonforme Entsorgung der HBCDD-haltige Abfälle in der MVA Ingolstadt.

In anderen Regionen des Freistaates Bayerns, Süddeutschlands und dem restlichen Bundesgebiet sah die Situation dagegen ganz anders aus. Dort herrschte seit dem 30. September ein „Entsorgungsnotstand“ der in vielen Fällen zu einer massiven Behinderung der Bautätigkeit geführt hat.
Dies hat letztendlich dazu geführt, dass in einer Entscheidung des Bundesrates am 16.12.2016 eine auf das Jahr 2017 bezogene Ausnahmeregelung erlassen wurde.

Klärschlamm

Ein weiteres Problem ist die Entsorgung von Klärschlamm durch die Anträge der Bundesländer Bayern und Nordrhein-Westfalen zur landwirtschaftlichen Nichtverwertung von kommunalem Klärschlamm. Derzeit liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor, ob der Klärschlamm über private Dritte (Kraftwerke) oder über die öffentliche Hand (Anschluss- und Benutzungszwang ist rechtlich noch nicht geklärt) zu entsorgen ist. Unabhängig davon hat der Zweckverband Zentralkläranlage Ingolstadt eine Klärschlammtrocknungsanlage errichtet. Entsprechende Grundsatzbeschlüsse wurden in den verantwortlichen Gremien gefasst. Bei der europaweiten Ausschreibung hat sich der Zweckverband Müllverwertungsanlage Ingolstadt um die Energielieferung und die Verwertung des getrockneten Klärschlammes beworben. Der Zeckverband hat die europaweite Ausschreibung gewonnen und daraufhin einen langfristigen Abnahmevertrag für die energetische Verwertung des getrockneten Klärschlammes mit dem Zweckverband Zentralkläranlage Ingolstadt abgeschlossen. Die Situation bezüglich Klärschlamms bei den Verbandsmitglieder wird durch den Zweckverband beobachtet.

Hinweis: Der Jahresbericht 2016 steht Ihnen auch als PDF in unserem Downloadbereich zur Verfügung.

© Zweckverband Müllverwertungsanlage Ingolstadt